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Wiesenlabyrinth

Auf der Suche nach sich selbst

Pfarrerin Karin Klaffehn lässt sich von dem Weg des Labyrinths in die Mitte führen und lädt die Gäste des Vogelsberger Kirchentags ein, dasselbe zu tun.

„Das Labyrinth ist eine Wohltat für die Augen ein Stück Erleuchtung für die Seele und ein heiliges Rätsel für den Geist. Das Leben ist ein beständiges Gehen im Labyrinth. Ankommen und Aufbrechen zur Mitte finden und sie wieder verlassen. Sich wenden müssen und immer wieder weiterkommen.“

Mit diesen Worten lädt das Wiesenlabyrinth Heblos seine Besucherinnen und Besucher ein, sich auf den Weg zu machen. Einen Weg ohne Abzweigung, einen Weg ohne verirren und einen Weg der ganz Unterschiedliches bewirken und auslösen kann. Auch zum Vogelsberger Kirchentag gibt es zwei Mal die Möglichkeit, mit dem Bus nach Heblos zu fahren und seine ganz eigenen Erfahrungen mit dem Labyrinth zu machen. Was es damit auf sich hat, seit wann der Weg bereits dort gepflegt wird und was das Ganze mit Reformation zu tun hat, hat Initiatorin Karin Klaffehn im Gespräch mit Lisa Häberle erklärt.

Was ist die Intention des Wiesenlabyrinths?

Klaffehn: Beim Gang in das Labyrinth kann der „Geher“ jedes beliebige Thema auf die 500 Meter Wegstrecke mitnehmen. Letztendlich soll die äußere Bewegung eine innere Bewegung einleiten, ein Gedanke, den auch die Pilger begleitet. Im Prinzip ist ein Labyrinth ein alternativer Weg für alle, die sich nicht auf einen langen Pilgerweg machen können. Und durch dieses in Bewegung kommen, kommt auch das Thema oder die Frage, die ich mitbringe, in Bewegung oder aber ich merke, dass das alte Thema gar nicht mehr so wichtig ist und sich eine neue Fragestellung daraus erschließt.

Das Spannende für mich ist, deswegen habe ich es auch initiiert, dass wenn ich das Labyrinth gehe, dann macht es jedes Mal etwas mit mir. Etwas, was ich nicht gut erklären kann. Es ist faszinierend, was passiert, wenn man da rein geht und sich einem Weg anvertraut und sich dann irgendwann fragt,  „Habe ich mich jetzt verlaufen?“ „Führt mich dieser Weg weiter zum Ziel?“ Obwohl es ja nur einen Weg gibt und damit ein Verirren unmöglich ist. Daraus ergeben sich wieder spannende Symbole und Fragen für jeden ganz persönlich, etwa „bin ich noch auf dem richtigen Weg?“ „Habe ich mein Ziel noch im Blick?“ Auch im Labyrinth hat man sein Ziel nicht immer im Blick. Das Labyrinth ist so gestaltet, dass man bis zum Schluss nicht weiß, ob man jetzt gleich am Ziel ist.

Wie entstand die Idee für ein Wiesenlabyrinth und seit wann gibt es das in Heblos?

Klaffehn: Die ursprüngliche Idee stammt von mir. Während einer Fortbildung zum Konfirmanden-Unterricht hat der Referent ein Labyrinth auf einer Bodenmatte dabei und die Teilnehmenden durften es alle einmal laufen. Das hat mich total gefesselt. Das fand ich total spannend. Fasziniert von dieser Erfahrung mähte ich zu Hause ein Labyrinth in unseren eigenen Garten und brachte es dann auch als Idee in den Kirchenvorstand ein. Die Zeit verging mit der Suche nach einem Platz aber seit etwa 2006 kann das Wiesenlabyrinth in Heblos, gelegen am Fahrradweg nach Wallenrod, von allen besucht werden. Der Gedanke dabei war, mitten in der Natur einen Ort zu haben, wo Menschen spirituellen Symbolen begegnen können aber nicht müssen. Mir gefällt dieser offene Charakter.

Natürlich hält sich das Labyrinth nicht alleine. Es ist viel Pflege und Engagement notwendig und es ist einigen Ehrenamtlichen der Kirchengemeinde zu verdanken, denen das Labyrinth am Herzen lag, dass es inzwischen ein besonderer Ort, mit Zugang über einen schmalen Trampelpfad, einem Gottesdienstplatz mit Altar und einem immer noch erhaltenen Labyrinth ist. Hier wurden viele Gedanken, Fantasie, Kraft und Zeit reingesteckt. Nicht weil sie es mussten sondern weil sie es wollten. Für viele Hebloser ist es ein besonderer Ort mit einer besonderen Atmosphäre.

Wodurch entsteht diese besondere Atmosphäre?

Klaffehn: Also für den Moment würde ich sagen, dass diese besondere Atmosphäre dadurch entsteht, dass sich mit dem Labyrinth zwei Dinge verbinden. Die Weite und das Fokussierte. Man kann von hier aus an klaren Tagen den Hoherodskopf, Wallenrod und Sickendorf sehen. Gleichzeitig zwingt das Labyrinth den Betrachter durch seine Konzentriertheit die auf eine Mitte hinläuft, sich zu fokussieren Das sind Gegensätze, die diesen Ort aber auch das Leben ausmachen.

Das Wiesenlabyrinth trägt zum Vogelsberger Kirchentag den Titel „Land, Luther, Labyrinth – Geistliches Leben wiederentdecken“. Was verbirgt sich dahinter?

Klaffehn: Wir wollten mit unserer Aktion zum Vogelsberger Kirchentag etwas beitragen, das uns als Kirchengemeinde ausmacht. Wir wollten authentisch sein. Es soll die Menschen dabei unterstützen, ihre Spiritualität wiederzuentdecken. Ganz ohne kirchliche Vorgaben. Es ist ein Symbol und damit ist keine Engführung möglich. Das hat etwas Reformatorisches. Zum Christsein gehört die Freiheit dazu und genau das möchten wir den Besucherinnen und Besuchern hier geben. Freiheit selber zu entscheiden, wie sie den Weg gehen. Freiheit selber zu bestimmen was sie dabei entdecken und die Freiheit danach zu entscheiden, ob der Weg für sie leicht, befreiend, entspannend oder was komplett anderes war.

Was würden Sie sich für die Besucherinnen und Besucher des Vogelsberger Kirchentags wünschen? Was sollen sie erleben?

Klaffehn: Ich wünsche den Menschen, die das Labyrinth im Zuge des Vogelsberger Kirchentags besuchen, dass sie etwas Neues entdecken, dass der Weg durch das Labyrinth etwas mit ihnen macht und sie sich von dem Weg in die Mitte führen lassen. Ich wünsche ihnen, dass sie ein Lebensthema in Gedanken mitnehmen, mit eigener Zeit und einem ganz individuellen Tempo. Ich wünsche ihnen, dass sie damit eine Erfahrung machen und vielleicht eine Bewegung stattfindet, sich beispielsweise die Frage verändert oder auch Antworten gefunden werden.

Der Gedanke war, mitten in der Natur diesen Ort zu haben, wo Menschen völlig unkompliziert so einem spirituelles Symbol begegnen und etwas daraus machen können oder eben auch nicht. Es ist gut, dass es das Labyrinth so lange schon gibt und es den Heblosern so ans Herz gewachsen ist. 

[Lisa Häberle/Redaktion]


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